Paul Gulda, il pianista che riscrive Bach e Mozart

6 dicembre 2018, Teatro Sannazaro di Napoli.

Paul Gulda regala una serata unica all’Associazione Scarlatti di Napoli con un programma che prevede i primi dodici numeri de “Il clavicembalo ben temperato” di J.S.Bach, il Rondò in re Maggiore K485 e la Sonata in si bemolle maggiore K333 di W.A.Mozart.
Dicevo, serata unica anche per il modo in cui Gulda presenta al pubblico i dodici brani di Bach intervallati da testi tratti dalla tradizione vedica, dalla Bibbia ma anche da capisaldi di filosofi come Wittgenstein o da discorsi del Dalai Lama. Gulda vuole creare un percorso filosofico-musicale per meditare sulle armonie di Bach che riescono a condurre l’ascoltatore in un viaggio perpetuo tra la sua parte razionale e quella emotiva.

Il Das wohltemperirte Klavier oder Praeludia, und Fugen durch alle Tone und Semitonia è un catalogo di composizioni per strumenti a tastiera (e non per clavicembalo, come riportato nell’equivoco titolo italiano) e fu scritto da Bach nel 1722. La raccolta contiene preludi e fughe, sapientemente alternati e autonomi gli uni dagli altri. I preludi rappresentano l’elemento statico della composizione, le fughe quello dinamico, a due, tre, quattro o cinque voci, in cui il contrappunto ha la chiara funzione di rendere immediatamente percepibile il tema.

Paul Gulda sceglie un approccio moderno, non filologico, nell’esecuzione, con contrasti ritmici evidenti. D’altronde, non essendoci, in partitura, indicazioni di tempo e fraseggio, ogni pianista, nel corso del Novecento, ha adottato la sua formula. Glenn Gould, quando eseguiva il Clavicembalo ben temperato, preferiva suonare il pianoforte – giustamente – come se fosse un cembalo a differenza di Keith Jarrett che

preferiva lo sviluppo polifonico dei brani. Gulda ha fatto sue tutti questi approcci interpretativi (non ultimo l’uso “eccessivo” del pedale alla Richter) e ha proposto un viaggio attuale, basato sul qui e ora, diverso da quanto finora ascoltato su disco.

Nella seconda parte, con Mozart, il discorso cambia. Il Rondò K485, pezzo didattico scritto probabilmente per un’allieva, è breve, da studio ma è un ottimo ponte tra Bach e il Mozart che verrà. La sonata K333 conclude il concerto e presenta, nei primi due movimenti, venature intimiste fino ad arrivare al gioioso “Andante cantabile” che, però, non perde il suo carattere discreto. Gulda la interpreta quasi con approccio jazz, improvvisando alcune cadenze, che potrebbe non essere condiviso dai più ma che, in realtà, è un tocco stilistico di non poco conto che, inevitabilmente, opera un distanziamento dalle interpretazioni più blasonate di Barenboim o di Horowitz.

Il pubblico apprezza molto e richiede a gran voce il bis; Gulda esegue, così, a sorpresa, Les barricades misterieuses di François Couperin, un affronto ai puristi che lo vogliono eseguito solo al clavicembalo ma che, in realtà, ben si sposa con l’idea musicale della serata. Secondo bis con una canzone scritta da Gulda su testo, in dialetto viennese, della compagna, che sale sul palco a cantarla.

Weblog Armadillo furioso, Napoli.

www.armadillofurioso.it

Francesco BOVE

16.12. 2019

Deutsche Übersetzung:

Paul Gulda schreibt Bach und Mozart neu

6. Dezember 2018, Sannazaro Theater von Neapel.

Paul Gulda gab bei der Associazione Scarlatti in Neapel einen einzigartigen Abend mit einem Programm, das die ersten zwölf Stücker von „Das wohltemperierte Klavier“ von Johann Sebastian Bach, das Rondo in D-Dur K485 und die Sonate B-Dur K333 von W.A. Mozart beinhaltete.

Ich sagte, ein einzigartiger Abend auch wegen der Art und Weise, in der Gulda die zwölf Werke von Bach, mit Texten des Dalai lama, aus vedischen Überlieferungen, aus der Bibel, aber auch von Philosophen wie Wittgenstein kontrastierte. Gulda möchte einen philosophisch-musikalischen Weg schaffen, um über Bachs Harmonien zu meditieren, die den Hörer auf eine ewige Reise zwischen seinem rationalen und emotionalen Wesen führen.

Das wohltemperierte Klavier oder Praeludia und Fugen durch alle Tone und Semitonia ist ein Katalog von Kompositionen für Tasteninstrumente (und nicht für Cembalo, wie iaus dem zweideutigen italienischen Titel hervorgeht) und wurde von Bach im Jahr 1722 geschrieben. Die Sammlung enthält Präludien und Fugen, zusammengehörig und doch autonom voneinander. Die Präludien repräsentieren das statische Element der Komposition, die Fugen das dynamische, mit zwei, drei, vier oder fünf Stimmen, bei denen der Kontrapunkt die klare Funktion hat, das Thema sofort wahrnehmbar zu machen.

Paul Gulda wählt einen modernen, nicht-philologischen Ansatz für die Ausführung mit offensichtlichen rhythmischen Kontrasten. Legitim: nachdem es keinen Hinweis auf Tempo und Phrasierung in der Partitur gibt, fand noch jeder Pianist im 20. Jahrhundert seine eigene Formel. Glenn Gould spielte am Flügel, als ob er ein Cembalo vor sich hätte  – im Gegensatz zu Keith Jarrett, der die polyphone Entwicklung der Stücke vorzog. Gulda hat all diese interpretativen Ansätze vereint (nicht zuletzt die „übermäßige“ Verwendung des Pedals á la Svjatoslav Richter) und schlug eine aktuelle Lesart vor, basierend auf dem Hier und Jetzt, die sich von dem unterscheidet, was bisher auf der Platte zu hören war.

Im zweiten Teil mit Mozart ändert sich der Diskurs. Das Rondo K485, ein didaktisches Stück, das wahrscheinlich für eine Schülerin geschrieben wurde, ist eine kurze Studie, aber es ist eine hervorragende Brücke zwischen Bach und Mozart. Die Sonate KV schloss das Konzert ab und präsentierte in den ersten beiden Sätzen intime Einsichten, bis hin zum freudigen „Allegretto grazioso“, das jedoch seinen diskreten Charakter nicht verlor. Gulda interpretiert es fast mit einem Jazz-Ansatz, der einige Kadenzen improvisiert, die von vielen vielleicht nicht geschätzt werden, aber in Wahrheit eine stilistische Note von nicht geringer Bedeutung sind, die sich zwangsläufig von preziösen Interpretationen von Barenboim oder Horowitz distanziert.

Das Publikum akklamiert heftig und fordert lautstark Zugaben; Gulda spielt, überraschend, “Les Barricades Mysterieuses” von François Couperin, ein Affront gegen die Puristen, die es nur auf dem Cembalo hören wollen: was aber der musikalischen Idee des Abends entsprach. Zweite Zugabe ein von Gulda geschriebenes Lied im Wiener Dialekt, gesungen von seiner Begleiterin Agnes Palmisano, die dazu aus dem Saal auf die Bühne kam.

Weblog Armadillo furioso, Napoli.

Francesco BOVE

16.1.2 2019

Ö1: Die schwierige Übung, als klassischer Musiker Jazz zu spielen

Zum Internationalen Tag des Jazz: Über die „Wahrheit des Augenblicks“.
Der Musiker und Komponist Paul Gulda ist zu Gast bei Rainer Rosenberg. 

Seine ersten Lehrer – schreibt Paul Gulda auf seiner Homepage – waren zwei Jazzer: Fritz Pauer und Roland Batik und wenn auch wie sein Vater ausgebildeter klassischer Pianist, fügt er hinzu: „Auf einer bestimmten Ebene des musikalischen Denkens und Sprechens verschwimmt und verschwindet der Unterschied zwischen Komposition, Interpretation und Improvisation. Was zählt und die Hörer ergreift, ist die Wahrheit des Augenblicks.“

Was heißt Freiheit beim Musizieren; was bedeutet es, sich an Jazz-Klassikern abzuarbeiten, wenn man einen Superstar als Vater hat, der sich zeitlebens bemüht hat, für sich und das Publikum neue Felder der Musik zu eröffnen?

Paul Gulda erweitert ebenfalls musikalische Räume. Rainer Rosenberg spricht mit ihm.

Gestaltung: Rainer Rosenberg